Print Friendly and PDF

Potenziale und Chancen der Berichterstattung

Potenziale und Chancen der Berichterstattung

Im diesjährigen Wettbewerb „Die besten Geschäftsberichte“ bewertet die Jury des CCI die kommunikative und gestalterische Qualität im Reporting, insbesondere die Darstellung von Nachhaltigkeitsthemen und deren mediengerechter Aufbereitung. Denn erst die gelungene Darstellung der ESG-Themen zeichnet ein umfassendes Unternehmensbild.

von Hanne Gleußner-de Boer

Unter den bewerteten 40 Unternehmen setzt sich der Trend einer kombinierten Berichterstattung durch, hingegen sinkt die Anzahl der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht als eigenständige Publikation zur Verfügung stellen von 11 auf 5. In der diesjährigen Analyse der Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte aller DAX 40 Unternehmen wurden 24 Online-Berichte, 40 PDFs und 4 Printberichte bewertet.

Erstmals erreichen Geschäftsberichte der 40 DAX-Unternehmen durch umfangreichere ESG-Ausführungen im Durchschnitt über 300 Seiten. Da Themen dieser drei Dimensionen auch zukünftig die Grundlagen für die Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens abbilden, legt das CCI dort verstärkt einen Schwerpunkt innerhalb der Bewertung, indem sowohl die Finanz- wie auch Nachhaltigkeitsberichte (PDF und Online) über alle 8 Hauptkategorien geprüft wurden. 

Einmal mehr präsentiert sich der Geschäftsbericht der adidas group als Full-Content-Online-Bericht mit sämtlichen Inhalten im html-Format zugänglich. Die Verwendung von animiertem und dynamischem Seitenaufbau erzeugt Spannung und zieht die Aufmerksamkeit der Leser auf sich. Durch den gekonnten Umgang mit dem charakteristischen Corporate Design, zeichnet adidas ein unverwechselbar unternehmensspezifisches Gesamtbild.

Die Bewertung des Geschäftsberichts der BMW Group zeigt im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verschlechterung in der Kategorie „Gesamteindruck“. Besonders hervorgehoben wird jedoch die repräsentative Darstellung der Vorstände im HTML-Format, die zu einer positiven Bewertung beiträgt. Die emotionale Qualität im Seitenlayout des Online-Berichts wurde dieses Jahr etwas herabgestuft, insbesondere in Bezug auf das Zusammenspiel gestalterischer Elemente innerhalb der Startseite.

Die Geschäftsberichterstattung von BASF ist ähnlich wie in den Jahren zuvor einmal mehr gelungen, da ein nahtloser Transfer zwischen analogen und digitalen Formaten möglich ist. Besonders positiv fällt auf, dass die Online-Berichterstattung im Vergleich zum Vorjahr verbessert wurde. Darüber hinaus bietet das interaktive Storytelling die Gelegenheit, die Wertschöpfung des Unternehmens sowie seine Wertvorstellungen auf authentische Weise zu vermitteln.

Der erstmals integrierte Geschäftsbericht von E.ON überzeugt durch übersichtliche Gestaltung, eingehende Betrachtung relevanter Themen und technische Umsetzung. Dennoch enthält der Bericht in der Tiefe textlastige Abschnitte – abwechslungsreicher geht es in den gestalteten Storys, Kennzahlen und Nachhaltigkeitsthemen zu.

Hingegen besticht der online Nachhaltigkeits-Bericht von Merck durch eine aufmerksamkeitsstarke Einführung, dank des eigenständigen Corporate Designs und der gelungenen Umsetzung der Stories, die auf eine kurzweilige, innovative Art Geschichten erzählen. Im Vergleich zur HTML-Version zeigt das PDF allerdings Defizite in den Bewertungs-Kategorien „emotionale Qualität“ sowie in der leserfreundlichen Aufbereitung – hier werden die Potenziale des PDFs nicht genutzt.

Symrise überzeugt mit gelungener Bespiegelung über alle Medien, behandelt konsequent alle Themen und bietet ansprechende Bildsprache. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial im Layout und Seitenaufbau des HTML-Berichts. Eine umfassendere Nutzung von HTML-Funktionen zur Verbesserung des Nutzererlebnis sowie eine optimierte Aufbereitung mancher Inhalte wäre dem Medium entsprechend.

Die Ergebnisse der diesjährigen Bewertung zeigt die allgemeine Verbesserung im Durchschnitt in der Online-Berichterstattung, wohingegen die Spitzenreiter insgesamt im Vergleich zum Vorjahr weniger Prozent-Punkte erreichen.

Zusammenfassend kamen die BewerterInnen zu dem Ergebnis, das ein einheitliches, medienübergreifend gedachtes und umgesetztes Storytelling den Unternehmen die Chance bieten kann, ein authentisches Narrativ zu gestalten. Während gleichzeitig die immer bedeutsamer werdenden Aspekte wie Vermittlung von Unternehmenswerten, -strategien und Nachhaltigkeit im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Rezipienten den Unterschied machen können.

 

Hanne Gleußner-de Boer

ist Kommunikationsdesignerin und seit 2014 geschäftsführende Gesellschafterin einer Designagentur Gleussner Helbach Design mit den Schwerpunkten Branding und Reporting – Print, Digital und im Raum. Seit 2019 ist sie geschäftsführender Vorstand des CCI.


Über das CCI

Das CCI – Institute for Corporate Communication and Identity ist ein Forschungsinstitut der Hochschule RheinMain, mit dem Schwerpunkt der Bewertung und Entwicklung von Corporate Identity, Corporate Design, Unternehmens- und Finanzkommunikation. Eine Kernaufgabe des CCI ist die medienübergreifende Analyse der kommunikativen und gestalterischen Qualität des Corporate Reporting im Rahmen des Wettbewerbs ›Die besten Geschäftsberichte‹. Das CCI untersucht das Reporting in allen medialen Ausprägungen in einem wissenschaftlich fundiertem Bewertungsverfahren.


Über das CCIR Forum Reporting

what? so what? now what? - Corporate Reporting im Wandel

Die ausführlicheren Analysen zur „visuellen Bilanz“ werden während der Tagung CCIR Forum Reporting vorgestellt. Das CCIR Forum Reporting – die Folgeveranstaltung zum Heidelberger Forum Geschäftsberichte – ist eine gemeinsame Tagung des CCI und des CCR.

Jetzt anmelden und letzte Plätze sichern.