Trends, Herausforderungen und Chancen für das Reporting von morgen
Zukunftsfähigkeit setzt voraus, dass Unternehmen mit geopolitischen Spannungen, technologischem Wandel und regulatorischer Unsicherheit umgehen können. Erfolgreich bleibt, wer Widerstandsfähigkeit mit Agilität verbindet, das Kerngeschäft stärkt und gleichzeitig Raum für Innovation schafft.
Von Reto Schneider, Founder & Co-CEO CCR und Barbara Zäch, Co-CEO CCR
(Center for Corporate Reporting)
Im Fokus der Berichterstattung stehen derzeit steigende Stakeholder-Erwartungen in den Bereichen Transparenz, Nachhaltigkeitswirkung, Risikomanagement und Corporate Governance. Diese Entwicklungen erfordern eine solide Datenbasis, einen verantwortungsvollen Einsatz von KI und überzeugende Narrative.
Als führendes unabhängiges Netzwerk für interne Steuerung und externe Berichterstattung unterstützt das CCR Entscheidungsträger und Praktiker dabei, Trends einzuordnen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Auf Basis der Erkenntnisse aus dem CCR-Netzwerk zeichnen sich zentrale Entwicklungstrends und Zukunftsszenarien ab, die das interne und externe Reporting der kommenden Jahre prägen dürften.
Aktuelle Erkenntnisse, Trends und Thesen im Reporting
Kommunikation als Erfolgsfaktor im Wandel
Unternehmenskommunikation entwickelt sich vom reinen Informationskanal zum strategischen Führungsinstrument. Klassische Einwegkommunikation weicht dem Dialog mit zentralen Stakeholdern. Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Anspruchsgruppen die Strategie verstehen und nachvollziehen können. Dafür müssen komplexe Sachverhalte in klare Botschaften übersetzt und die Kommunikation frühzeitig in Strategie- und Change-Prozesse eingebunden werden.
Gleichzeitig richtet sich Berichterstattung zunehmend an ein hybrides Publikum aus Menschen und Maschinen. Um die eigene Informationssouveränität zu wahren, werden konsistente, klar strukturierte, überprüfbare und verständliche Narrative wichtiger. Technologie erhöht Effizienz und Reichweite – entscheidend bleibt jedoch die Fähigkeit, relevante Inhalte glaubwürdig zu vermitteln.
Kapitalmarktkommunikation im Spannungsfeld von Transparenz, Relevanz und Vertrauen
Investor Relations steht vor der Aufgabe, regulatorische Anforderungen, Kapitalmarkterwartungen und die strategische Unternehmenspositionierung miteinander zu verbinden. Gleichzeitig gewinnen belastbare ESG-Daten und deren Verknüpfung mit Finanzinformationen für Investitions- und Bewertungsentscheidungen an Bedeutung. Mit KI entstehen einerseits neue Gatekeeper, die Informationen analysieren, verdichten und vergleichen; andererseits erhalten Analysten und Investoren schneller relevante Einblicke in Bezug auf Informationsqualität und Entscheidungsunterstützung. Die Erwartungen an Datenqualität, Konsistenz und Nachvollziehbarkeit steigen. Standardsetter und Regulierer dürften deshalb die Anforderungen mit Blick auf die Verlässlichkeit an Informationen weiterentwickeln.
Eine engere Abstimmung zwischen Investor Relations und Unternehmenskommunikation ist folglich zu erwarten (Stakeholder Relations), um Finanz-, Nachhaltigkeits- und Governance-Themen integriert zu adressieren und ein konsistentes Unternehmensnarrativ über alle Kanäle hinweg sicherzustellen.
Finance: Vom Zahlenlieferanten zum strategischen Wegbereiter
Finance entwickelt sich vom rückblickenden Zahlenlieferanten zum vorausschauenden Steuerungspartner. Entscheidend dabei ist, Daten in Erkenntnisse zu übersetzen, Szenarien zu entwickeln, fundierte Handlungsempfehlungen abzuleiten und Investitionsentscheidungen aktiv mitzugestalten.
Klassische Berichtszyklen werden zunehmend durch kontinuierliches Reporting ergänzt, wobei dieser Ansatz insbesondere in der internen Steuerung an Bedeutung gewinnt. Durch die Verknüpfung finanzieller und nicht-finanzieller Daten erweitern sich auch die Möglichkeiten von Prognosemodellen, wodurch die klassische Finanzberichterstattung um eine zukunftsorientierte Perspektive ergänzt wird.
Finance wird vermehrt zum strategischen Wegbereiter, der Kapital gezielt in zukunftsfähige Geschäftsmodelle lenkt und nachhaltige Wertschöpfung unterstützt.
Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmenssteuerung
Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt sich von der blossen regulatorischen Pflicht zum integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Entscheidend ist die abteilungsübergreifende Verknüpfung von Nachhaltigkeit mit Geschäftsmodell, Risiken, Chancen, Leistungskennzahlen und langfristiger Wertschöpfung.
Die Trennung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung wird voraussichtlich schrittweise überwunden. Gemäss den CSRD-Vorgaben wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung gemeinsam mit der Finanzberichterstattung veröffentlicht, allerdings nach wie vor in getrennten Kapiteln. Mit ESRS wurden Anforderungen geschaffen, die ihre Konnektivität fördern. Durch eine stärkere Verbindung der beiden Welten könnte langfristig ein integrierter Berichtsrahmen entstehen. Gleichzeitig werden Nachhaltigkeitskennzahlen zunehmend in die Unternehmenssteuerung integriert und die Zusammenhänge mit der finanziellen Wertschöpfung transparenter.
Die Harmonisierung von Offenlegungsanforderungen wie ESRS und ISSB werden zudem schrittweise die Redundanz in der Berichterstattung reduzieren, konzeptionelle Unterschiede und damit einhergehende Aufwände aber nicht vollständig beseitigen.
KI im Reporting: Technologie als Verstärker menschlicher Expertise
Künstliche Intelligenz verändert Reporting-Prozesse grundlegend. Sie entwickelt sich vom unterstützenden Werkzeug zunehmend zum Katalysator integrierter Reporting-Prozesse – von der Datenverarbeitung über Analyse und Berichterstellung bis zur Bereitstellung von Information. Gleichzeitig verschiebt sich die Berichterstattung vom klassischen statischen Dokument hin zum datenbasierten Selbstbedienungssystem.
Umso wichtiger werden robuste Governance-Strukturen, überprüfbare KI-Modelle und unabhängige Prüfmechanismen, um Vertrauen zu sichern. KI wird künftig nicht nur die Erstellung von Berichten unterstützen, sondern zunehmend auch deren externe Prüfung. Dadurch wird sich potenziell die Rolle des Abschlussprüfers von der reinen Prüfinstanz zum Governance-Partner verschieben.
Künstliche Intelligenz verbessert die Effizienz von Investitionsprozessen durch die automatisierte Analyse umfangreicher Daten und die Identifikation komplexer Muster. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden zunehmend die Grundlage für Bewertungs- und Investitionsentscheidungen bilden.
Je stärker Reporting und Analyse automatisiert werden, desto wichtiger wird die menschliche Urteilskraft. Entscheidend bleibt die Fähigkeit des Menschen, Ergebnisse kritisch einzuordnen, Zusammenhänge zu verstehen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten und zu berichten.
Reporting als strategischer Kompass in einer dynamischen Welt
Reporting entwickelt sich vom reinen Erfüllungsinstrument zum strategischen Führungsinstrument. Die Zukunft gehört nicht statischen Berichten, sondern dynamischen Daten- und Kommunikationssystemen, die finanzielle und nicht-finanzielle Informationen stakeholdergerecht bereitstellen. Künstliche Intelligenz beschleunigt diesen Wandel.
Reporting muss weiterhin vollständig, konsistent, verständlich und verlässlich sein. Gleichzeitig gewinnt die Relevanz der Information gegenüber der Menge an Bedeutung, da Wesentlichkeit Komplexität reduziert und Entscheidungen verbessert – innerhalb des Unternehmens und am Kapitalmarkt.
Das CCR Peer- und Experten-Netzwerk unterstützt Mitglieder dabei, diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in die Praxis zu überführen – getreu dem Motto «Share. Learn. Implement.».
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