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7 Antworten von

 

Christine Wiederkehr-Luther

Global Head of Sustainability, Kuehne+Nagel

Martin Bachler

Head of Corporate Sustainability, ams OSRAM

 

1. Wie fördern Sie die Zusammenarbeit und das gegenseitige Lernen über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg?

Christine Wiederkehr-Luther: Nachhaltigkeit erfordert einen engen Austausch verschiedener Funktionen innerhalb des Unternehmens. Als Asset-light-Logistikunternehmen ist für uns zudem die Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette von zentraler Bedeutung. Gemeinsame Ziele und Projekte sowie ein geteiltes Mindset fördern diese Zusammenarbeit und machen sie erfolgreich.

Martin Bachler: Wir fördern Austausch über ein globales Onlinetraining, regelmässige Fachbereichstrainings sowie Tech Talks zu Produktionsinnovationen und Nachhaltigkeit.

2. Stichwort ESG-Backlash: Wie geht es mit ESG weiter?

Christine Wiederkehr-Luther: Nachhaltigkeit und Klimawandel sind keine Trends, sondern Realität. Gerade die aktuellen Hitzewellen und Wetterextreme machen dies deutlich. Viele unserer Kunden teilen diese Einschätzung und arbeiten gemeinsam mit uns an Lösungen zur Dekarbonisierung. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen zeigen, wie stark wir noch von fossilen Energieträgern abhängig sind. Dies unterstreicht die Bedeutung, jetzt in nachhaltige Alternativen zu investieren und die Resilienz unserer Lieferketten zu stärken.

Martin Bachler: ESG war lange ein Nischenthema, gewann stark an Aufmerksamkeit und wird heute kritischer diskutiert. Nun zählt die Umsetzung: Nachhaltigkeit wird stärker in Geschäftsentscheidungen und Prozesse integriert, denn die Anforderungen wachsen weiter – bei Kunden und am Kapitalmarkt.

3. Was zeichnet einen guten Sustainability Report aus?

Christine Wiederkehr-Luther: Ein guter Sustainability Report muss zunächst die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Zweitens sollte er das Thema verständlich und greifbar präsentieren sowie die Fortschritte transparent aufzeigen. Zentral ist die Einbettung des Themas in den jeweiligen strategischen Geschäftskontext des Unternehmens.

Martin Bachler: CSRD und die Nähe zur Finanzberichterstattung professionalisieren die Nachhaltigkeitsberichterstattung und erhöhen ihre Qualität. Ein guter Bericht arbeitet nicht nur regulatorische Anforderungen ab. Er setzt den Fokus auf wesentliche Themen, erklärt die Nachhaltigkeitsstrategie und ihre Rolle im Zusammenhang mit dem langfristigen Unternehmenserfolg.

4. Wie und in welchen Bereichen unterstützt Sie künstliche Intelligenz (KI) derzeit, und wo sehen Sie das grösste Potenzial von KI?

Christine Wiederkehr-Luther: Für die globale Logistik hat KI eine Schlüsselrolle, da sie Prozesse effizienter macht und bessere Entscheidungen ermöglicht. In der Nachhaltigkeit arbeiten wir aktuell an Lösungen, die uns mit repetitiven Arbeiten unterstützen. Das grösste Potenzial sehe ich darin, die hohe Komplexität globaler Lieferketten zu optimieren – sowohl hinsichtlich Effizienz als auch Emissionen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass KI-Technologien selbst zunehmend auf erneuerbaren Energien basieren.

Martin Bachler: KI unterstützt uns derzeit bei der Aufbereitung und Auswertung von Informationen. Das grösste Potenzial liegt in der Analyse grosser Datenmengen und der stärkeren Integration von Nachhaltigkeit in Prozesse. Dafür haben wir eine KI-Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.

5. Wie ist Sustainability strategisch und organisatorisch in Ihr Unternehmen eingebettet?

Christine Wiederkehr-Luther: Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unserer Vision 2030 und strategischen Roadmap 2026 und somit als Thema im Kerngeschäft verankert.

Martin Bachler: Sustainability ist über einen Governance-Rahmen im Unternehmen verankert – mit Anbindung an CFO, ESG Committee und Sustainability Council. Zentral gesteuert wird sie operativ in den Fachbereichen umgesetzt.

6. Welche Veränderungen erwarten Sie im Aufgabenbereich von Sustainability-Teams?

Christine Wiederkehr-Luther: Regulatorik und Reporting bleiben wichtig, doch künftig wird die Integration von Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft im Vordergrund stehen. Dafür müssen Sustainability-Teams noch stärker die Sprache des Business sprechen und den konkreten Mehrwert – insbesondere für Kunden – aufzeigen. So wird Nachhaltigkeit zum festen Bestandteil des Tagesgeschäfts

Martin Bachler: Sustainability-Teams werden stärker in Strategie und operative Fragen eingebunden. Mittelfristig können zum Beispiel LCA-Daten stärker in Produktportfolioentscheidungen einfliessen.

7. Und zum Abschluss: Ihnen wird ein Sabbatical angeboten –wie würden Sie die Zeit nutzen?

Christine Wiederkehr-Luther: Ich würde Zeit mit meiner Familie verbringen, neue Perspektiven gewinnen und Energie tanken. Zudem würde mich eine längere Reise reizen, um andere Kulturen, Länder und deren Umgang mit Nachhaltigkeit kennenzulernen. Weltweit entstehen gerade viele innovative Lösungen, von denen man lernen kann.

Martin Bachler: Ein mögliches Sabbatical würde ich in meine Zweitkarriere als Rockstar investieren: Schlagzeugunterricht, Gesangstraining und lebenslanges Lernen inklusive. Ob Bühne oder Managementmeeting: Ich werde auf beides vorbereitet sein.

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