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Auf ein Wort mit...

Auf ein Wort mit Marc Kaiser


Zur Person: Marc Kaiser

ist Deputy Head Global Corporate Communications & Philanthropy bei der Straumann Group. Er verbindet Strategie, Finanzen und Kommunikation und beschäftigt sich mit der Frage, wie Führung, Vertrauen und Storytelling Komplexität bewohnbar machen.


Was motiviert Sie an Ihrer täglichen Arbeit besonders?

Mich begeistert die Verbindung unterschiedlicher Welten: Strategie, Zahlen, Kommunikation und das menschliche Miteinander. Kommunikation ist weit mehr als Dinge schön zu verpacken. Geschichten sind die Betriebssysteme von Organisationen. Sie schaffen Orientierung und machen Komplexität bewohnbar. Ich liebe es, Brücken zu bauen und neue Perspektiven zu eröffnen.

Ihr grösster Erfolg bisher?

Vor einigen Jahren durfte ich bei einer grossen Schweizer Versicherung gemeinsam mit einem aussergewöhnlichen Team die Kommunikation von einer klassischen Kanalfunktion zu einem zentralen Führungsinstrument weiterentwickeln. Der Höhepunkt war ein Investorentag mitten in der Pandemie. Wer hätte gedacht, dass eine Versicherung ihre Strategie gemeinsam mit LEGO visualisiert und dabei sogar mit dem Storyboard-Designer von Star Wars zusammenarbeitet? Viele hielten das Vorhaben für unmöglich. Am Ende wurde es ein Teamerfolg, mit dem niemand gerechnet hatte – eine wunderbare Reise.

Ihre grösste berufliche Herausforderung?

Zu verstehen, dass die meisten Probleme keine Informationsprobleme, sondern Beziehungsprobleme sind. Unternehmen sind soziale Systeme. Die wirkungsvollste Kommunikation entsteht oft zwischen den Folien.

Auf welche Weise lernen oder denken Sie am produktivsten?

Selten vor dem Bildschirm. Die besten Ideen entstehen auf dem Fahrrad, beim Fliegen, an der Kaffeemaschine oder im Laufe eines guten Gesprächs. Ich bin zutiefst neugierig auf Menschen und Systeme.

Wie erholen Sie sich nach einem stressigen Tag?

Ich versuche, auch an hektischen Tagen kleine Inseln der Entschleunigung einzubauen: eine gute Tasse Kaffee auf der Terrasse, ein kurzer Spaziergang oder ein inspirierendes Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Darüber hinaus geben mir das Gravelbike, Brettspiele und das Angeln mit meinem Sohn neue Energie.

Von wem haben Sie den bisher besten Ratschlag erhalten?

Von zwei früheren Wegbegleitern, einem CEO und einem CFO. Der eine sagte: «If you can dream it, you can do it.» Der andere lehrte mich, dass Worte Wirklichkeit schaffen. Deshalb sollte man sie mit Bedacht wählen.

Zu welchem Thema haben Sie über die Jahre Ihre Meinung komplett revidiert?

Zu künstlicher Intelligenz. Ich war zunächst skeptisch. Heute sehe ich KI als Exoskelett für den Geist. Sie nimmt uns nicht das Denken ab, sondern schafft Raum für grössere Ideen.

Diese Ausgabe steht unter dem Titel «Share. Learn. Implement.». Welche Rolle spielen Wissensaustausch und voneinander Lernen für Unternehmen in der KI-Ära?

Paradoxerweise zwingt uns KI, menschlicher zu werden. Wissen wird zur Verfügung stehen. Entscheidend wird die Fähigkeit, Erfahrungen, Emotionen und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Die grossen Herausforderungen liegen selten innerhalb eines Silos – die Krümel landen bekanntlich immer zwischen den Sofakissen.

Was braucht es, damit gute Ideen und Strategien erfolgreich umgesetzt werden?

Energie, Mut und einen ersten Schritt. Ich frage Teams oft: «Was können wir heute tun, um anzufangen?» Gleichzeitig braucht es ein gemeinsames Bild davon, wie sich Erfolg anfühlen würde.

Teilen Sie mit uns die wichtigste Erkenntnis, die Sie in Ihrer Karriere gewonnen haben?

Organisationen sind keine Maschinen, sondern soziale Systeme. Die Aufgabe von Führung ist nicht, Komplexität wegzuschaffen, sondern sie bewohnbar zu machen.

Wie lautete Ihr Berufswunsch als Kind?

REGA-Pilot. Die Faszination für das Fliegen hat mich nie losgelassen. Mit vierzig habe ich mir den Helikopterflugschein erfüllt.

Was macht Sie glücklich?

Wenn ich Menschen dabei begleiten darf, über sich hinauszuwachsen.

Meer oder Berge?

Meer. Beim Tauchen fühle ich mich manchmal wie Jacques Cousteau auf Expedition.

Buch oder E-Reader?

E-Reader. Er schmerzt weniger, wenn er mir beim Einschlafen auf mein Gesicht fällt.

Velofahrt oder Spaziergang?

Beides. Ich liebe das Gravelbike, weil es etwas von einer kleinen Expedition hat. Gleichzeitig gibt es Landschaften, die man nur zu Fuss wirklich erfassen kann.

Welche Frage würden Sie gerne einmal gestellt bekommen – und wie würden Sie antworten?

Frage: Was unterschätzen Unternehmen am häufigsten?

Antwort: Dass Kultur kein weicher Faktor ist. Kultur ist die Infrastruktur, auf der Strategie, Innovation und Leistung überhaupt erst möglich werden. Und sie entsteht jeden Tag durch Kommunikation – durch die Geschichten, die wir erzählen, die Fragen, die wir stellen, und die Aufmerksamkeit, die wir schenken. Oder anders gesagt: Kultur ist das, was passiert, wenn niemand hinschaut.

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Über die Rubrik: Auf ein Wort mit…

Mit der Rubrik «Auf ein Wort mit …» will «The Reporting Times» regelmässig bekannte Mitglieder der Reporting Community von ihrer ganz persönlichen Seite zeigen.