← zurück zur kompletten Ausgabe
Reporting mit Substanz: Wie TROX Nachhaltigkeit denkt, lebt – und berichtet
TROX zeigt, dass Nachhaltigkeit weit mehr als eine regulatorische Pflicht ist: Mit einem konsequenten ESRS-Reporting und einer tief verankerten Unternehmenskultur setzt der Raumlufttechnik-Spezialist Massstäbe. Die Halbierung des CO2-Fussabdrucks seit 2020 und ambitionierte Netto-Null-Ziele bis 2050 belegen: Nachhaltigkeit ist bei TROX keine Hochglanzbroschüre, sondern gelebte Transformation.
Von Christine Rosskothen und Dr. Ralf Frank
Die TROX SE, globaler Champion in der Raumlufttechnik seit 1951, hat ihren zweiten ESRS-Nachhaltigkeitsbericht 2025 erstellt – eine konsequente Weiterentwicklung des ersten voll ESRS-angelehnten Berichts von 2024. Das Unternehmen mit Sitz in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein betreibt 18 Produktionsstätten weltweit und 28 operative Tochtergesellschaften in 27 Ländern auf fünf Kontinenten, ist in über 80 Märkten präsent und dadurch tief in internationale Wertschöpfungs- und Lieferketten eingebunden. 4.589 Mitarbeitende erwirtschafteten 2024 Umsätze von 687 Mio. Euro, flankiert von Investitionen in Höhe von 66 Mio. Euro – in neue Werke in China und Mexiko, Kapazitätserweiterungen in Europa und Südafrika sowie Photovoltaikanlagen an zahlreichen Standorten.
ESRS sind anspruchsvoll
ESRS ist kein Formular, das man nebenbei ausfüllt. Die Standards verlangen eine tiefgehende Beschäftigung mit doppelter Wesentlichkeit. TROX hat diesen Lernprozess früh begonnen, lange bevor der Bericht 2025 in die konkrete Erstellung ging. Die Verantwortlichen mussten nicht nur die technischen Anforderungen verstehen, sondern vor allem die Denkweise hinter den ESRS: weg von selektiven Erfolgsstorys, hin zu systematischen, vergleichbaren und prüffähigen Darstellung von Auswirkungen, Risiken und Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Enge Einbindung der Fachabteilungen ist ein Schlüsselfaktor
Herausfordernd war der Transfer der ESRS-Anforderungen in die Fachabteilungen. HR-Expertinnen und -Experten, Einkäuferinnen und Einkäufer sowie EHS-Fachleute sind Spezialistinnen und Spezialisten ihres Fachs – aber keine Nachhaltigkeitsreporterinnen und -reporter. TROX hat diesen Gap durch gezielte Schulungen und Workshops adressiert, in denen nicht nur erklärt wurde, was zu liefern ist, sondern auch warum: welche Rolle die jeweiligen Kennzahlen in der doppelten Wesentlichkeit spielen und wie sie in die Gesamtstory des Unternehmens einzahlen. Dieser Dialog stärkte nicht nur die Compliance, sondern auch die interne Nachhaltigkeitskultur.
Nachhaltigkeit ist bei TROX keine regulatorische Pflicht, sondern Kern der Unternehmenskultur, getragen von der Heinz Trox-Stiftung, die als Gesellschafterin in Jahrzehnten denkt. 99 Prozent der Emissionen bei TROX fallen in Scope 3 und damit ausserhalb des direkten Unternehmens. Bereits 2024 senkte TROX den CO2-Fussabdruck in Scope 1 und 2 von 30,6 auf 13,4 tCO2eq pro Mio. Euro Nettoumsatz – das entspricht einer Halbierung gegenüber 2020. Photovoltaikanlagen erzeugten über 1,8 Mio. kWh Strom pro Jahr, hybride Einbrennöfen sparen 35 Prozent Energie, und Geothermieprojekte in Norwegen decken den gesamten Heizbedarf der dortigen Zentrale. Der Bericht ist damit kein Ausgangspunkt, sondern der Spiegel bereits gelebter Praxis. TROX wurde mit dem BME Sustainable Supply Award 2025 ausgezeichnet – für seine «Sustainability Procurement Transformation», mit der das Unternehmen maximale Transparenz entlang der gesamten globalen Lieferkette schafft und konsequent nachhaltige Beschaffungsprozesse etabliert. Der BME – der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. – ist die führende Fachorganisation für Einkauf und Supply-Chain-Management im deutschsprachigen Raum.
Die richtige Haltung macht den Unterschied
Welle-2-Unternehmen, d. h. grosse, in der Regel nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Mio. Euro Umsatz, müssen 2028 ihren ersten vollumfänglich konformen CSRD-ESRS-Bericht veröffentlichen, basierend auf Daten des Geschäftsjahres 2027. Das europäische «Stop-the-Clock»-Omnibus hat zwar zwei Jahre Puffer gegeben, de facto aber kein Innehalten erlaubt: Prozesse, Governance-Strukturen und Datenschnittstellen müssen deutlich vor 2027 stehen. Entscheidend ist dabei die richtige Haltung. Ein Nachhaltigkeitsbericht ist keine lästige Pflichtübung, wenn man ihn als Chance versteht, intern wie extern glaubwürdig zu zeigen, was das Unternehmen für Umwelt und Gesellschaft bereits leistet. Kunden erwarten heute Transparenz zu CO2-Emissionen und Nachhaltigkeitskennzahlen, Banken gewichten ESG-Daten in Kreditwürdigkeitsprüfungen zunehmend stärker, und Talente wählen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auch nach deren ökologischer und sozialer Verantwortung. Darüber hinaus schärft die Auseinandersetzung mit ESRS und EU-Taxonomie den strategischen Blick: Scope-3-Risiken in der Lieferkette werden sichtbar, Kreislaufwirtschaftspotenziale identifizierbar. Nachhaltigkeit macht Unternehmen smarter – wenn man den Prozess ernst nimmt.
Konkret empfiehlt sich: Zunächst Governance-Strukturen definieren und Verantwortlichkeiten klären. Dann eine Wesentlichkeitsanalyse durchführen, wobei ein Minimum eine Baseline aus E1 Klimawandel, S1 Eigene Belegschaft und G1 Unternehmenspolitik darstellen kann. Anschliessend Datenprozesse aufbauen, Tools evaluieren und frühzeitig Testläufe fahren. Fachabteilungen strukturiert einbinden, mit Kontext statt nur Checklisten. Und schliesslich: den Bericht als Kommunikationsinstrument begreifen, das Vertrauen schafft – bei Kundinnen und Kunden, Banken und Mitarbeitenden gleichermassen. TROX zeigt, dass dieser Weg sich lohnt.
Christine Rosskothen
ist Wirtschaftswissenschaftlerin, kam 2002 zur TROX GmbH und leitete ab 2005 das Corporate Marketing der TROX GROUP. Seit 2021 verantwortet sie den Bereich CSR. Seit 2019 ist sie Vorstandsmitglied der Heinz Trox-Stiftung.
Dr. Ralf Frank
ist Managing Partner bei Sustainserv in Frankfurt am Main und Professor für organisatorische Transformation an der Gisma Fachhochschule in Potsdam.


