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Wesentlichkeit, auch in der Kommunikation

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Wesentlichkeit, auch in der Kommunikation

Regeln korrekt einhalten, das Richtige freiwillig tun und den Aufwand für alles andere am erzielten Nutzen ausrichten. Wegen dieser Ausgangslage haben wir bei der Suva den kommunikativen Teil der Berichterstattung grundlegend überdacht.

Von Dr. Alexander Fleischer

Der Frontalangriff aus dem Weissen Haus auf Fakten, Regeln und Öffentlichkeit betrifft die zentralen Elemente des Reportings. Weil bekannt ist, dass Unternehmen stets nach Opportunitäten Ausschau halten müssen, stehen sie derzeit unter erhöhter Beobachtung. Beobachtet wird, ob Unternehmen die Schwelle zum Opportunismus überschreiten und dem Beispiel der US-Regierung folgen: Fakten als Meinungen degradieren, Regeln als optional ansehen und Kommunikation primär als Instrument der Machterweiterung benutzen.

Vertrauen ist für Unternehmen leicht verspielt. Empfängerinnen und Empfänger des Unternehmensreportings sollen sich daher nicht fragen müssen:

  • Berücksichtigt die Unternehmensleitung weiterhin die Ansprüche der Menschen, die vom eigenen Handeln betroffen sind?

  • Respektiert sie Regeln als Infrastruktur des Zusammenlebens?

  • Setzt sie Kommunikation zur Verständigung zwischen Menschen ein und wahrt sie dabei anständige Umgangsformen?

Gleichzeitig steigt in volatilen Zeiten die Notwendigkeit, sich auf das Wesentliche und Strategische zu fokussieren. Auch wegen des anrollenden «KI-Slop-Tsunamis» wird es wichtiger, eine stimmige Firmenerzählung konsistent über alle Kanäle hinweg zu vermitteln. Wesentlichkeit führt zu einem weiteren unternehmerischen Muss: Effizienz.

Das Richtige tun und das Wesentliche sagen

Diesen Rahmenbedingungen ist auch die Suva ausgesetzt. Die Suva ist nicht börsenkotiert, müsste also über vieles nicht öffentlich Rechenschaft ablegen. 2023 hat sie dennoch entschieden, freiwillig den ersten Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Sie hat vom Gesetzgeber ein Teilmonopol, ihre Eigentümerinnen und Eigentümer sind ihre Versicherten, denen sie Überschüsse als tiefere Prämien weitergibt. Durch die einzigartige Kombination aus Prävention, Versicherung und Rehabilitation ist die Suva eine tragende Säule der Sicherheit in der Schweiz. Diese Aspekte ihrer Identität führen dazu, dass «das Richtige tun» für die Suva bedeutet, über die gesetzlichen Rechenschaftspflichten hinauszugehen.

«Das Richtige tun» hat auch eine ökonomische Dimension. Sie verlangt, möglichst sparsam mit Geld umzugehen und Aufwand und Wirkung in einem vernünftigen Verhältnis zu halten. In der Nachhaltigkeitsstrategie der Suva wird dies durch die Wesentlichkeitsanalyse gewährleistet. Dort steht das «S» von «ESG» ganz oben, weil die Suva im Sozialen den grössten Wirkungshebel hat. Im kommunikativen Teil des Reportings bedeutet Wesentlichkeit, genau zu prüfen, wen die Berichterstattung überhaupt interessiert und erreicht.

Bei der Suva nehmen Vertreterinnen und Vertreter der wichtigsten Branchen im «Suva-Rat» die Interessen als Eigentümer wahr. Dort haben sie Zugang zu Informationen, die weit über die öffentliche Berichterstattung hinausgehen. Das Interesse anderer Anspruchsgruppen an der Unternehmensberichterstattung der Suva ist gering. Es kommt vor allem von potenziellen Mitarbeitenden. Dem kommunikativen Aufwand steht daher ein geringer Nutzen gegenüber. Effizienz ist deshalb das Gebot der Stunde.

Vier Schritte zu wesentlicherer Kommunikation im Reporting

In einem ersten Schritt haben wir 2025 die Sektorinformation überarbeitet. Bisher bestand sie aus umfangreichen Texten. Wir haben sie durch eine Auflistung der wichtigsten Ereignisse und Fortschritte des vergangenen Jahres und der Herausforderungen und Vorhaben des kommenden Jahres ersetzt. Interessierte Lesende erhalten so ein möglichst leicht erfassbares und auskunftsstarkes Bild der Situation.

In einem zweiten Schritt haben wir eine möglichst einfache Darstellung der Wertschöpfung entwickelt, um alle gebotenen Informationen in ihrer Bedeutung für den Erfolg des Unternehmens einzuordnen. Diese Orientierungshilfe bildet den Ausgangspunkt für den Jahresbericht, der erstmals Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht kombiniert. Zugleich gibt die Darstellung in einer Sekundärnavigation die Struktur des Berichts vor. So gehen die Orientierung in der Wertschöpfung der Suva und die Orientierung im Bericht Hand in Hand.

In einem dritten Schritt haben wir die Unternehmenserzählung der Suva verschriftlicht. Damit steht die Selbstkundgabe auf einem strategisch abgeleiteten Fundament. Das schafft die Grundlage, die Unternehmenserzählung künftig über alle Kanäle konsistent erlebbar zu machen.

Diese Ausrichtung auf das Wesentliche der Bedürfnisse der Anspruchsgruppen und des Kerngeschäfts der Suva hat den Jahresbericht vereinfacht und neues Effizienzpotenzial erschlossen. Zugleich geben wir uns nicht damit zufrieden, dass die Inhalte wenige Lesende erreichen. Auf der Grundlage der Wertschöpfungsdarstellung und der Unternehmenserzählung wollen wir den Jahresbericht deshalb in einem vierten Schritt mit der Selbstkundgabe in den digitalen Kanälen der Suva verschmelzen. So soll derselbe Aufwand mehrfachen Nutzen erzeugen und neue Lesende erreichen. Wenn das gelingt, setzen wir die gesparten Ressourcen für Bewegtbild, Hörversionen und andere Nutzensteigerungen ein.

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Key Takeaways

  1. Vertrauen entsteht, wenn sichtbar wird, dass wir das Richtige tun und Orientierung geben.

  2. Haltung zählt: strategisch und ehrlich statt taktisch und opportunistisch.

  3. Wesentlichkeit gilt auch für die Kommunikation.

  4. Transparenz und Effizienz sind kein Widerspruch.

  5. Effizienz schafft Raum für das Wesentliche.


Dr. Alexander Fleischer

hat BWL und Publizistik studiert und 2014 zum Thema «Reputation und Wahrnehmung» promoviert. Seit 1995 gestaltet er Kommunikation und Marketing in Agenturen und Unternehmen. Er lebt mit seiner Familie in Biel und ist im Advisory Board des CCR.