← zurück zur kompletten Ausgabe
Nachhaltigkeit und die Regulierung künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, zu verändern, wie Unternehmen, Branchen und Gesellschaften mit zentralen Nachhaltigkeitsfragen umgehen. Gleichzeitig eröffnet sie erhebliche Chancen – bringt jedoch Risiken mit sich.
Von Bruno Bischoff und Camille von Garnier
Chancen und Risiken
KI kann Unternehmen dabei unterstützen, Nachhaltigkeitsherausforderungen zu bewältigen. Im Risikomanagement ermöglicht KI etwa die Analyse grosser Datenmengen über längere Zeiträume. Dadurch lassen sich Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken, wie Störungen in Lieferketten, frühzeitig erkennen. Auch in der Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt KI an Bedeutung. Systeme können automatisch relevante Informationen aus Datenbanken und anderen Quellen erfassen und Auffälligkeiten identifizieren. KI kann auch die Stakeholder- Einbindung verbessern, etwa durch die Analyse von Stimmungsbildern in sozialen Medien.
Mit der Verbreitung von KI steigen die damit verbundenen negativen Wirkungen. Zu den ökologischen Auswirkungen zählen der hohe Energie- und Wasserbedarf über den gesamten Lebenszyklus von KI-Modellen. Zu den sozialen Risiken gehören mögliche Menschenrechtsverletzungen, etwa im Zusammenhang mit Diskriminierung. Im Bereich Governance steht die Transparenz im Fokus; die Funktionsweise von KI-Systemen ist häufig intransparent und schwer nachvollziehbar.
Regulierungsansätze
Auf regulatorischer Ebene wird diskutiert, wie eine verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung von KI sicherzustellen ist. Internationale Organisationen betonen die Bedeutung von Aufsicht und Risikobewertung bei der Nutzung von KI. Eine zentrale Rolle spielen die KI-Grundsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Verschiedene Staaten haben freiwillige Rahmenwerke entwickelt oder prüfen entsprechende Ansätze. Dazu zählen Australien, Israel, Kanada, Japan, Indien, Indonesien, Neuseeland, Saudi-Arabien, Singapur, Serbien, Südafrika, Katar, und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Mehrere Jurisdiktionen haben sich hingegen für verbindliche gesetzliche Regelungen entschieden. Die KI-Verordnung in der Europäischen Union (EU) beispielsweise gilt als globaler Referenzrahmen. Die Verordnung verfolgt einen risikobasierten Ansatz und unterscheidet vier Risikokategorien: verbotene Anwendungen, regulierte Systeme, Anwendungen mit Transparenzpflichten und zulässige Systeme. Mehrere Länder sind der EU gefolgt und haben Gesetze eingeführt oder vorgeschlagen, darunter Argentinien, Brasilien, Chile, China, Kasachstan, Kenia, Mexiko, Südkorea, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, die Türkei, Usbekistan und Vietnam.
Bedeutung für Unternehmen
Künstliche Intelligenz bietet innovative Möglichkeiten für Unternehmen, gerade auch im Nachhaltigkeitsbereich. Es gibt jedoch Bedenken, dass Risiken von KI-Systemen nicht angemessen gesteuert werden. Unternehmen sind daher gefordert, ihre KI-Anwendungen systematisch zu erfassen, die regulatorischen Anforderungen zu analysieren, Risiken zu bewerten und bestehende Lücken zu identifizieren. Darauf aufbauend sind geeignete Governance-Strukturen, klare Verantwortlichkeiten sowie technische und organisatorische Kontrollen zu implementieren, ergänzt durch kontinuierliches Monitoring, umfassende Dokumentation und gezielte Schulungen, um eine nachhaltige und prüfungssichere Compliance sicherzustellen.
Bruno Bischoff
ist Head of Sustainability Risk Advisory bei ECOFACT und berät zusammen mit seinem Team Kunden zu Prozessen und Richtlinien im Bereich Umwelt- und Sozialrisikomanagement und führt Risikobewertungen von Unternehmen, Transaktionen und Investitionen durch.
Camille von Garnier
ist Senior-Rechtsexpertin bei ECOFACT und beobachtet regulatorische Entwicklungen im Nachhaltigkeitsbereich. Sie ist dafür verantwortlich, Kunden bei der Umsetzung von Compliance-Strategien zu Nachhaltigkeitsanforderungen zu unterstützen.


