Auf ein Wort mit Jens Reissmann
Zur Person: Jens Reissmann
ist Advisor für integrierte Unternehmensstrategie und Steuerung und CCR-Experte. Er war über 25 Jahre lang bei der Bayer AG tätig und unterstützt heute als Berater Unternehmen mit seinem Fachwissen in den Bereichen Nachhaltigkeitsberichterstattung und integrierte Unternehmensführung aus strategischer und operativer Perspektive.
Was motiviert Sie an Ihrer täglichen Arbeit besonders?
Als Freiberufler habe ich die Möglichkeit, viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen kennenzulernen. Die erste Phase der Projekte, in der man das Geschäfts- und Organisationsmodell eines Unternehmens schnell verstehen und die wesentlichen Herausforderungen und Handlungsoptionen identifizieren muss, ist dabei für mich am spannendsten.
Ihr grösster Erfolg bisher?
Ironman Finisher in Zürich. Ich war nie wirklich sportlich, aber wenn man etwas wirklich will, dann kann man unglaublich viel erreichen.
Ihre grösste berufliche Herausforderung?
2022 bin ich nach über 20 Jahren in Finance und Controlling in die Sustainability-Abteilung von Bayer gewechselt, um die Verantwortung für die Implementierung der EU-Taxonomie und CSRD zu übernehmen. Da es «nur» um Reporting ging, dachte ich, dass das Ganze ja nicht so schwer sein kann. Aber die Lernkurve war extrem steil und ich hatte das Gefühl, gleichzeitig mehrere neue Sprachen und Kulturen verstehen zu müssen. Ohne die Unterstützung der fantastischen (und geduldigen) KollegInnen wäre ich damals komplett gescheitert.
Auf welche Weise lernen oder denken Sie am produktivsten?
Am liebsten indem ich mir zunächst eine Grundlage anhand von Unterlagen (z. B. Büchern, Präsentationen etc.) erarbeite. Meist versuche ich, daraus eine visuelle Zusammenfassung mit Stift und Papier zu erstellen. Diese Konzeptskizzen sind dann Grundlage für den wichtigsten Schritt: den anschliessenden Austausch mit Bekannten und KollegInnen. Dummerweise denke ich anscheinend am besten beim Sprechen, was dazu führt, dass ich zum Leidwesen der anderen leider manchmal sehr viel rede.
Wie erholen Sie sich nach einem stressigen Tag?
Gern auf einer entspannten Runde mit dem Velo in der Natur.
Von wem haben Sie den bisher besten Ratschlag erhalten?
Von einem guten Freund, der mir erst kürzlich wieder gesagt hat, dass ich niemandem etwas beweisen muss, vor allem nicht mir selbst.
Zu welchem Thema haben Sie über die Jahre Ihre Meinung komplett revidiert?
Zu der (Zusammen-)Arbeit mit Menschen. Zu Beginn meiner Karriere empfand ich die Zusammenarbeit mit Personen, die einen anderen Erfahrungshintergrund hatten, als sehr anstrengend und unproduktiv. Heute sind eben dies die spannendsten und fruchtbarsten Konstellationen und ich geniesse die Zusammenarbeit.
Diese Ausgabe steht unter dem Titel «Future fit in a turbulent world». Übertragen auf Strategie und Steuerung, worauf sollten Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten Ihrer Meinung nach den Fokus legen?
Auf das Denken in Ökosystemen, das Verstehen von Abhängigkeiten und eine hohe Adaptionsfähigkeit. Jedes Unternehmen ist in ein grösseres Ökosystem mit diversen Stakeholdern eingebunden. Daraus ergeben sich Abhängigkeiten, welche wiederum schnell zu Risiken (oder natürlich auch Chancen) führen können. Es ist wichtig, diese fundamentalen Zusammenhänge zu verstehen und in die Strategiearbeit einfliessen zu lassen. Natürlich muss man sich dabei auf die wesentlichen Themen fokussieren. Am Ende aber zählt die Fähigkeit der Organisation, sich auch anzupassen. Dafür ist eine entsprechende Unternehmenskultur essenziell. Auch in der Steuerung ist es m. E. wichtig, mit flexiblen Modellen zu arbeiten, die eine schnelle Adaption an sich verändernde Rahmenbedingungen erlauben. Es gibt z. B. immer weniger Unternehmen, die noch erfolgreich mit statischen Jahresbudgets in klassischen Hierarchien arbeiten.
Wenn Sie einem Unternehmen nur eine Frage stellen dürften, um dessen Zukunftsfitness einzuschätzen – welche wäre es?
Für wen löst ihr Unternehmen welches Problem?
Was bedeutet für Sie persönlich «future fit» – im eigenen Leben wie auch im beruflichen Umfeld?
Neugier, Flexibilität und Klarheit. Die Notwendigkeit, sich permanent zu verändern und gelegentlich auch neu zu erfinden, ist wohl das Einzige, was einigermassen sicher ist. Da hilft eine gesunde Neugier, damit man Möglichkeiten erkennen und erkunden kann. Dann benötigt es aber die Flexibilität, Neues auch aktiv auszuprobieren, ungewöhnliche Wege zu beschreiten und vor allem auch alte Gewohnheiten loszulassen. Zur Orientierung hilft dabei Klarheit über die eigenen Werte, Erwartungen und Fähigkeiten.
Nach dem Ausblick der Rückblick: Wie lautete Ihr Berufswunsch als Kind?
Lokführer oder irgendetwas bei der Eisenbahn, ich habe Stunden am Bahnhof gesessen und alles beobachtet.
Was macht Sie glücklich?
Bewegung in der freien Natur ohne Verpflichtungen.
Meer oder Berge?
Am liebsten beides zusammen, aber wenn ich wählen müsste, dann Berge.
Buch oder E-Reader?
E-Reader, da man eine grössere Auswahl zum Lesen mitnehmen kann.
Velofahrt oder Spaziergang?
Definitiv Velofahrt, die Geschwindigkeit ist einfach perfekt für abwechslungsreiche, aber dennoch intensive Erlebnisse.
Welche Frage würden Sie gerne einmal gestellt bekommen – und wie würden Sie antworten?
Lust auf ein gemeinsames Abenteuer? – Wann soll’s losgehen?
Über die Rubrik: Auf ein Wort mit…
Mit der Rubrik «Auf ein Wort mit …» will «The Reporting Times» regelmässig bekannte Mitglieder der Reporting Community von ihrer ganz persönlichen Seite zeigen.


