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It Smells Like Team Spirit

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It Smells Like Team Spirit

Wenn man Zusammenarbeit in einen einzigen Satz fassen müsste, so wäre es dieser: There is no «I» in Team.

Von Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler

Man kann das als einen typisch amerikanischen One-Liner abtun. Man kann aber auch ein wenig darüber nachdenken. Denn ist es nicht so, dass man allein in der Regel nichts ist? Alles, was wir Menschen erschaffen, ist, wenn wir genau hinschauen, ein Gemeinschaftsprozess. Nur äusserst selten erreichen wir etwas wirklich allein. Und selbst wenn, gelingt das nur, weil andere es uns ermöglichen. Weil sie uns den Weg ebnen, uns den Rücken freihalten oder weil wir erst in ihrer Gegenwart besser wurden, als wir eigentlich sind.

Sogar Solobergsteigerinnen oder Solisten arbeiten nicht allein. Auch sie brauchen ein Team, das sie unterstützt, coacht, versorgt. Und selbst die, die sich keine Entourage leisten können, brauchen jemanden, der die Kinder versorgt, während sie trainieren, und jemanden, der sie in den Arm nimmt, wenn sie am Boden sind.

Es ist eine der Lehren, die sich die produktive Arbeit von der reproduktiven Arbeit abschauen kann. Der produktive Sektor ist konkurrenzbasiert – also alles, was hergestellt und verkauft wird. Man glaubt, dass der Beste sich durchsetzen wird. Der reproduktive Sektor ist indes kollaborationsbasiert – also Familienarbeit, Fürsorge, Beziehungspflege. Wir verstehen intuitiv, dass hier niemand gewinnen kann, sondern dass umgekehrt keiner verlieren darf und man deshalb zusammenarbeiten muss.

Dieses Verständnis sickert langsam in die Privatwirtschaft. Auch wenn noch immer das einzelne (in der Regel männliche) Genie idealisiert wird, so wird doch in fast allen Branchen inzwischen Teamfähigkeit als zentrale Kompetenz erwartet. Eher selten liest man Stellenausschreibungen für Eigenbrötler oder Einzelgängerinnen.

Die Fähigkeit zusammenzuarbeiten wird fast überall verlangt, aber fast nirgendwo unterrichtet. Verrückterweise geht man davon aus, dass man es von Natur aus kann, im Vorbeigehen lernt – oder eben nicht. Die Wahrheit ist: Zusammenarbeiten ist keine Charaktereigenschaft, es ist eine Fertigkeit.

Orientieren kann man sich an folgenden vier Bereichen:

  1. Probleme lösen: Jede Gruppe, egal, wie gut ihr Zusammenhalt ist, stösst früher oder später auf Widerstände, Meinungsverschiedenheiten und Misserfolge. Die guten Teams unterscheiden sich von den schlechten darin, dass sie Wege finden, die Hindernisse zu überwinden.

  2. Ziele erreichen: Ein Team ist eine Zweckgemeinschaft. Man kommt zusammen, um etwas zu erreichen, das man allein nicht schaffen würde. Das verbindende Element ist das Ziel.

  3. Vertrauen schaffen: Menschen in eine Gruppe zu stecken, macht sie noch nicht zu einem Team. Ein Team muss zusammenwachsen, eine gemeinsame Grundlage und eine gemeinsame Sprache finden. Es muss sich organisieren. Der Grundstoff: Vertrauen.

  4. Flexibel bleiben: Die Erfahrung lehrt: Manchmal muss man alle Pläne über Bord werfen und das Gegenteil machen.

(Auszug aus: Mikael Krogerus, Roman Tschäppeler «Zusammenarbeiten. Ein Wegweiser, um gemeinsam Grosses zu erreichen», Kein & Aber Verlag).


Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler

Der gebürtige Finne Mikael Krogerus und der Seeländer Roman Tschäppeler sind Absolventen der dänischen Hochschule «Kaospilot». Seit 2008 schreiben und zeichnen die beiden gemeinsam Kolumnen und Bücher. Ihre Werke wurden in 25 Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit millionenfach.