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Who is Who? – Alexander Fleischer

In unserer neulancierten Rubrik «Who is Who» befragen wir Personen, die kürzlich eine neue Stelle angetreten haben, zu beruflichen und persönlichen Themen.

Herr Fleischer, Sie sind seit dem 1. Mai 2019 Leiter Kommunikation bei der Schweizerischen Post. Was hat Sie an der neuen Stelle besonders gereizt?

Es gibt wenige Firmen in der Schweiz, die so exponiert sind und mit so viel Zuneigung und zugleich Argwohn beobachtet werden wie die Post. Und zwar von allen: den Medien, Politikern, Gewerkschaften, Unternehmen, jungen und alten Menschen in den Städten, auf dem Land und in allen Sprachregionen. Kommunikation ist hier also keine interne Dienstleistung, sondern zentraler Werttreiber. An solch einem Ort Verantwortung für die Kommunikation zu übernehmen – zudem noch während einer anspruchsvollen Transformationsphase des Unternehmens –, ist intellektuell, handwerklich und emotional eine unglaublich knifflige Aufgabe. Genau solche Aufgaben reizen mich.


Welches war für Sie die grösste Herausforderung beim Antritt der neuen Stelle?

Die unfassliche Vielfalt der Post verdauen.


Der Bund ist zu 100% Eigentümer der Schweizerischen Post. Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Geschäftsbericht?

Als Eigner setzt der Bund der Post Ziele. Diese sollen dazu führen, dass die Post der Schweiz in deren Gesamtheit optimal dient. Entsprechend spricht unser Geschäftsbericht alle Schweizerinnen und Schweizer an. Die nächsten Jahre wird dabei im Vordergrund stehen, zu erklären, warum die Post die Weichen neu stellen muss, um auch in zehn Jahren noch mit selbst erwirtschafteten Mitteln die Grundversorgung und einen Service public finanzieren zu können, der für die Schweiz einen Wettbewerbs- und Lebensstandardvorteil darstellt. Der Geschäftsbericht muss helfen, die Schweiz auf die aus der Weichenstellung resultierende strategische Reise der Post mit ihren Transformationsschritten so mitzunehmen, dass diese von einer Mehrheit getragen wird.

 

Wie pflegen Sie Ihr persönliches Netzwerk? Was macht für Sie ein funktionierendes Netzwerk aus?

Indem ich versuche, den Menschen in meinem Netzwerk behilflich zu sein. Netzwerke funktionieren dann, wenn das Geben im Vordergrund steht – so profitieren am Ende alle, man selbst inklusive.

 

Welches Buch hat Sie in den letzten Jahren besonders inspiriert – und warum?

Es ist schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe, aber ich muss in letzter Zeit immer wieder daran denken: «Die Welt von Gestern» von Stefan Zweig. Das Buch macht die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts so greifbar und gewisse Parallelen zu heutigen Ereignissen schaurig offensichtlich.

 

In unserer digitalen Welt fallen handgeschriebene Texte auf. Hat die Post mit dem neu entwickelten Handschriftenroboter «RoboPen» den Nerv der Zeit getroffen?

Das könnte sein. Jede Bewegung führt zu einer Gegenbewegung, vor allem wenn die Bewegung wie bei der Digitalisierung mit Übertreibungen einhergeht. Handschriftliche Briefe werden rar und dadurch wertvoller.

 

Welche Tipps würden Sie Berufseinsteigern in der Kommunikation mit auf den Weg geben?

Jeder kann zu Kommunikation mitreden, weil jeder Kommunikation täglich praktiziert und weil gesunder Menschenverstand zur Einschätzung von Kommunikationsvorgängen zentral ist. Das darf eine Berufseinsteigerin nicht zum Fehlschluss führen, dass deshalb alle anderen auch das verstehen und können, was sie versteht und kann. Damit das stimmt, muss sie aber ihr Handwerk sauber lernen, darf den Kontakt zur Entwicklung der Wissenschaft in dem Gebiet nicht verlieren und muss sich viel unter Menschen bewegen und Kommunikationsvorgänge beobachten, um gleichermassen Expertise und Bauchgefühl zu entwickeln.

 

Wie hat sich die Kommunikationsbranche seit Ihrem Karrierestart verändert?

Die Herausbildung des Berufsbilds des CCO war vor 20 Jahren einschneidend. Seit 10 Jahren führen die neuen digitalen Kanäle zur Vernetzung von Anspruchsgruppen und zur Verkürzung von Kommunikationsprozessen. Der dadurch höheren Komplexität muss mit Vereinfachung und Reduktion aufs Wesentliche begegnet werden, was zu einer Verschmelzung von Kommunikationsdisziplinen, insbesondere von PR und Marketingkommunikation, führt.

 

Wohin führt Ihre nächste grosse Reise?

Ich würde gerne einmal in den zentralafrikanischen Dschungel reisen.


Dr. Alexander Fleischer

Dr. Alexander Fleischer (50) studierte BWL und Publizistik in Guatemala, Worms und Berlin und promovierte in Stuttgart-Hohenheim zu «Reputation und Wahrnehmung». Er startete beruflich in Berlin bei der Schweizer PR-Agentur Peter Bütikofer und leitete dann 16 Jahre Marketing & Kommunikation bei PwC, zunächst in der Schweiz und dann international. Nachdem er bei furrerhugi den Bereich Corporate Communications aufbaute, führte er bei EY während vier Jahren Brand, Marketing und Communications in DACH. Fleischer lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Baden.